SPME Deeply Mourns the Passing of Professor Diethard Pallaschke (1940-2020)

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Professor Diethard Pallaschke (1940-2020)

Scholars for Peace in the Middle East deeply mourns the passing of Prof. Pallaschke who passed away on July 8, 2020. Prof. Pallaschke was a founding member of the SPME German Chapter which he co-founded with Matthias Kuentzel, and served as its first President.

As an internationally renowned Mathematician, he held an honorary doctorate from the University of Zielona Gora, Poland, and held many personal and scholarly ties with Israel.  Prof. Pallaschke was a fighter and  never stopped supporting our work notwithstanding his illness.

We lost a courageous voice in the battle against antisemitism whose voice will sorely be missed.

We are grateful to Stefanie Galla for writing up the obituary (below in German), and are joining her in collectively expressing our deepest condolences to his wife and daughter.

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Es ist schwierig einen Nachruf auf jemanden zu schreiben, dem es unangenehm war, selbst im Vordergrund zu stehen. Diethard Pallaschkes hervorstechendste Eigenschaften waren seine Unbestechlichkeit und seine Bescheidenheit. Letztere vermochte aber seine herausragende Intelligenz und sein beeindruckendes analytisches Denkvermögen nicht zu verstecken.

Diethard Pallaschke wurde am 30. Juni 1940 in Friedland, Ostpreußen geboren. Auch wenn er dort nur kurze Zeit lebte, Ostpreußen, seine Menschen und seine Landschaften haben ihn Zeit seines Lebens fasziniert und beschäftigt. Er besuchte seine alte Heimat regelmäßig. Er wuchs nach der ihn prägenden Flucht mit seinen Eltern und seinem Bruder in Bonn auf. Schon als Jugendlicher war es das unbedingte Ziel des wissensdurstigen Pallaschke, zu studieren. Die Familie hatte nicht die finanziellen Mittel für sein Studium, so verkaufte er mit einem Bauchladen Bahnfahrkarten. Pallaschke studierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Hebräischen Universität von Jerusalem und absolvierte 1965 in Bonn seinen Diplomabschluss in Mathematik. Dort wurde er 1967 im gleichen Fach promoviert. Pallaschke hatte später Professuren in Bonn, Darmstadt, Münster und zuletzt in Karlsruhe am damaligen Institut für Statistik und Mathematische Wirtschaftstheorie inne. Seine wissenschaftliche Arbeit war über die Jahrzehnte hinweg stark geprägt durch seine enge Zusammenarbeit mit polnischen Mathematikern, die sich durch zahlreiche gemeinsame Veröffentlichungen und gegenseitige Besuche und seine engagierte Förderung polnischer Nachwuchswissenschaftler ausdrückte. Hierfür wurde Pallaschke noch im Juni 2010 – neben vielen vorhergehenden Auszeichnungen – die Ehrendoktorwürde der Universität von Zielona Góra, Polen, verliehen. Lebensmittelpunkt von Pallaschke blieb immer Bonn, wo seine seit Jahrzehnten erkrankte Frau lebt, um die er sich hingebungsvoll kümmerte. Pallaschke hinterlässt neben seiner Ehefrau eine Tochter, Melanie, mit der ihn ein sehr inniges Verhältnis verband.

Schon früh knüpfte Pallaschke Kontakte zu israelischen und jüdischen Wissenschaftlern weltweit. Später nutzte er diese Kontakte, um sich engagiert gegen den immer weiter auch in der Wissenschaft vordringenden Antiisraelismus zu vernetzen. Mit großer Sorge betrachtete Pallaschke die Delegitimierungskampagnen gegen Israel und wurde in den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens ein hochpolitischer Mensch, der sich hartnäckig und ausdauernd der Bekämpfung von Antisemitismus und Antiisraelismus verpflichtet hatte.

Diethard Pallaschke, tief gläubiger Mensch und Wissenschaftler durch und durch, wurde deshalb in seinen letzten beiden Lebensjahrzehnten zum politischen Aktivisten. Als Mathematiker, der sich intensiv mit der Erforschung der Spieltheorie, die von den vor Antisemitismus und dem Nationalsozialismus nach Princeton geflohenen Johann von Neumann und Oskar Morgenstern begründet worden war, befasst hatte, begann er, sich in dem ihm bestens vertrauten universitären Umfeld dem grassierenden Antisemitismus entgegen zu stellen. Er schloss sich der internationalen Wissenschaftlervereinigung Scholars for Peace in the Middle East (SPME) an, und initiierte die Gründung der deutschen Sektion. Lange Jahre war er der erste Vorsitzende der deutschen Sektion von SPME. Sein über die Jahre aufgebautes Netzwerk, darunter viele jüdische und israelische gegen Antisemitismus engagierte Wissenschaftler, ermöglichte nicht nur die Gründung der deutschen Sektion von SPME; ohne Unterstützung durch Pallaschkes Netzwerk wären viele der Aktivitäten von SPME in Deutschland zur Bekämpfung von Antisemitismus auf universitärem Boden und in der Wissenschaft nicht möglich gewesen. Wegen des immer offener auch in Deutschland wieder zutage tretenden Antisemitismus beschränkte sich der Israelfreund Pallaschke mit seinem Engagement aber nicht mehr nur auf sein ursprüngliches Territorium der Universitäten, sondern mischte sich auch gesamtgesellschaftlich ein; auch wenn er es stets als seine Hauptaufgabe ansah, den Antisemitismus und die Israelfeindlichkeit in der Wissenschaft zu bekämpfen. So begründete er noch lange nach seiner aktiven Zeit als Professor einen deutsch-israelischen Wissenschaftleraustausch.

Der bei Pallaschke abwesende Drang zur Selbstprofilierung machte ihn zum glaubhaften Vertreter in der Bekämpfung von Ressentiments gegenüber Juden und Israel. Trotz seines bescheidenen und zurückhaltenden Auftretens war er durchsetzungsstark. Er agierte auf seine ihm eigene Weise mit Einfühlungsvermögen und der Kraft der Argumente und überzeugte so die Menschen. Er war unbestechlich in seiner Haltung und immer zuverlässig zur Stelle, wenn er gebraucht wurde oder es darum ging, Antisemitismus die Stirn zu bieten.

Wir Mitglieder von SPME haben nicht nur unseren prägenden Gründungsvorsitzenden der Sektion Deutschland verloren, sondern auch einen zuverlässigen Unterstützer und Verbündeten in der Bekämpfung von Antisemitismus und Antiisraelismus. Wir trauern um Diethard Pallaschke, der sehr fehlen wird. R.I.P.

SPME Deeply Mourns the Passing of Professor Diethard Pallaschke (1940-2020)

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SPME

Scholars for Peace in the Middle East (SPME) is not-for-profit [501 (C) (3)], grass-roots community of scholars who have united to promote honest, fact-based, and civil discourse, especially in regard to Middle East issues. We believe that ethnic, national, and religious hatreds, including anti-Semitism and anti-Israelism, have no place in our institutions, disciplines, and communities. We employ academic means to address these issues.

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