Benjamin Weinthal: Deutsches Forschungszentrum ignoriert iranische Bedrohung

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Antisemitismus-Experten in Deutschland, den USA und Israel führen einen zunehmend heftigeren Streit mit dem in Berlin ansässigen Zentrum für Antisemitisforschung (ZfA) und dessen Leiter, Professor Wolfgang Benz, wegen der Gleichsetzung von Islamophobie mit Antisemitismus bei gleichzeitiger Ignoranz der genozidähnlichen Drohungen des Iran gegenüber Israel und seiner Trivialisierung des Holocaust.

Was als Auseinandersetzung unter Gelehrten bei der vom Forschungszentrum am Montag abgehaltenen Konferenz mit dem Titel „Feindbild Muslim – Feinbild Jude“ begann ist in eine hitzige Debatte über die Arbeit des Zentrums übergegangen.

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel drückte gegenüber der Jerusalem Post seine Besorgnis aus: “Wenn das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung tatsächlich die antisemitische Bedrohung aus dem Iran herunterspielt ist das sicher beklagenswert.”

Mehr als 200 Teilnehmer besuchten die eintägige Konferenz, die zum Gegenstand hatte, wie die deutsche Gesellschaft die Muslime durch voreingenommene Medienberichterstattung, kommunale Initiativen gegen Moscheebauten und antiislamische Webseiten an den Rand dränge.

Benz im Wortlaut:

“Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten “

Aber Kritiker monierten, dass die Konferenz die Unterschiede zwischen Judenhass und gegenwärtiger Diskriminierung verwische, der sich Muslime ausgesetzt sehen, und sie die Gewalt ignoriere, die vom Iran, der Hisbollah und der Hamas gegen Israel und Juden gerichtet ist.

Kritiker beanstandeten auch, dass das Institut eines seiner zentralen Anliegen aufgegeben habe: Aufklärung über den Holocaust. Jochen Müller schrieb im Jahrbuch für Antisemitismusforschung des ZfA, dass der Holocaust für die arabisch-muslimische Welt „keine zentrale Bedeutung“ habe und schlug die „Kolonialzeit und ihre Folgen“ als alternativen Forschungsgegenstand vor – besonders für die Schulkinder der Einwanderer in Deutschland.

Das aus Steuermitteln finanzierte Zentrum war 1982 an der Technischen Universität Berlin gegründet worden und dient als wichtige Informationsquelle für deutsche Parlamentarier und politische Entscheidungsträger. Benz, ein Historiker, der als erster nichtjüdischer Direktor des Instituts seit 1990 angestellt ist, arbeitet mit einem Mitarbeiterstab von etwa 30 Personen, um über die NS-Zeit und den Holocaust zu forschen.

In seinem Artikel der Montagsausgabe des Wall Street Journal Europe bestätigte Matthias Küntzel, Hamburger Politikwissenschaftler, und spezialisiert auf deutschen sowie islamischen Antisemitismus, dass rassistische Vorurteile gegen Muslime bekämpft werden müssen, bekräftigte aber, dass “in der Aufnahme des modischen Vokabulars der Islamophobie sowie der Gleichsetzung von Feindschaft gegenüber Muslimen mit derjenigen gegen Juden das Berliner Zentrum auch riskiert, dass die gegenwärtig wichtigste Aufgabe im Umgang mit Antisemitismus untergraben wird: Die Erforschung und Bekämpfung der Judenfeindlichkeit in der islamischen Welt, in der Antisemitismus eine beispiellose Dimension erreicht hat.”

Benz erklärte der linksliberalen Tageszeitung taz gegenüber, dass Küntzels Vorwürfe “völlig lachhaft” seien und berief sich auf Unterstützung von Ilan Mor, den Gesandtem der israelischen Botschaft in Berlin, und Lala Süsskind, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in der Hauptstadt.

Süsskind teilte der Jerusalem Post jedoch mit, dass sie Benz’ Position nicht teile und “in keiner Weise Stellung [zur Kontroverse] bezogen habe“. Auch die israelische Botschaft konnte Benz’ Behauptung nicht bestätigen.

Ilan Mor erklärte der Webseite Die Achse des Guten, dass es eine freie Erfindung von Benz sei, wenn er behaupte, von ihm unterstützt worden zu sein.

Die Post schickte Benz mehrmals per E-Mail Anfragen für eine Stellungnahme zu. Während der Tagung am Montag an der Technischen Universität teilte Benz der Post mit, dass er „keine Zeit“ für ein Gespräch habe. Als er gefragt wurde, warum er seit Beginn der Kontroverse letzte Woche etlichen deutschen Medienunternehmen Interviews gewährt hatte, der Post aber nicht, lehnte Benz ab, dies zu kommentieren.

Er gab an, dass der Begriff “Islamophobie” vom Zentralrat der Juden akzeptiert worden sei. In einer E-Mail an die Post schrieb jedoch dessen Vizepräsident Dr. Dieter Graumann:

Die Gleichsetzung von Antisemitismus und Islamophobie aber mag modisch sein, und insofern zunächst scheinbar helfen, als sie uns Verbündete schaffte und wir uns dann nicht mehr so alleine fühlen mögen.
Aber: Das macht den fatalen Irrtum auch nicht besser, und berichtigt ihn schon gar nicht.
Antisemitismus und Islamophobie sind NICHT gleichzusetzen – die Unterschiede sind gewaltig und monströs und grausam:
Sowohl was das rassistische Element angeht, wie die schreckliche Geschichte, wie den ausdrücklichen eliminatorischen Hass – damals von den Nazis ausgehend und heute von erklärten Islamisten wie dem iranischen Präsidenten.
Wer das alles einfach ignoriert und pauschal gleichsetzen will – der deutet sich naiv die Welt schön, betreibt träumerische Realitätsverweigerung und lebt im Fantasialand seiner wolkigen Wunschträume.

Die Kontroverse um das Berliner Forschungszentrum hat großes Gewicht in Deutschland – nicht zuletzt wegen Adolf Hitlers Allianz mit dem berüchtigten Mufti von Jerusalem , zunehmendem Antisemitismus und Feindseligkeit von Deutschen gegen Israel heute und Deutschlands enger wirtschaftlicher Bindungen zum iranischen Regime.

“Eine weit dringendere und angemessene Forschungsaufgabe für ein Forschungszentrum zu Antisemitismus – besonders in Deutschland – sind ’genozidähnliche Bedrohungen der Menschheit durch Minoritäten in der islamischen Welt: Was haben sie mit Nazismus und Kommunismus gemeinsam?’“, so Dr. Manfred Gerstenfeld vom Jerusalem Center for Public Affairs gegenüber der Jerusalem Post.

“Es gibt erste Indizien dafür, dass manche Institute, die Holocaust-Forschung betreiben, das Potential haben, sich zu ‘Trojanischen Pferden’ zu entwickeln. Ein erstes Anzeichen dafür könnte sein, dass sie Ansprüche auf Glaubwürdigkeit und Prestige, die sie durch Studien zum letzten Genozid an den Juden erworben haben, dazu verwenden, um die Bedeutung der gegenwärtigen genozidalen Drohungen besonders gegenüber Israel, aber auch gegenüber der gesamten Menschheit zu verschleiern. Diese Bedrohungen kommen überwiegend aus Strömungen in der islamischen Welt, “ bemerkte Gerstenfeld.

Benz ist in der Vergangenheit dafür kritisiert worden, offenbar die Motive der 9/11-Terroristen damit zu rechtfertigten, was viele als Anti-Amerikanismus empfanden. Der Spiegel-Journalist und Publizist Henryk M. Broder zitierte Benz in seinem 2002 veröffentlichten Buch„Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror”, wenn er das Aufbrechen von Antiamerikanismus in Deutschland nach den Anschlägen des 11. September aufgriff (Seite 39).

Damals kommentierte Benz, dass die Twin Tower in Manhattan “Symbole von Stolz und Reichtum und Arroganz [sind]. Solche Gebäude aufzurichten, das ist die äußerste Arroganz, und die Verletzlichkeit ist damit mit eingebaut. Und die Attacke gegen diese Gebäude, mit dieser Attacke kann man eigene Ohnmachtsgefühle und eigene Demütigungen auslöschen und in die Ohnmacht und die Demütigung des Gegners verwandeln….Und das evoziert die drastischen und die dramatischen Reaktionen, und das macht es so gefährlich und so verheerend, gerade diese Symbole anzugreifen und zu zerstören.“

In seiner Antwort auf diese Kritik beschwerte sich Benz vor der versammelten Konferenz, dass seine Kritiker im Unrecht seien, wenn sie behaupteten, dass „er die Gefahr nicht erkenne, die von fundamentalistischen Fanatikern und Terroristen ausgeht“.

In einer E-Mail an die Jerusalem Post kritisierte der renommierte Politikwissenschaftler und Holocaust-Forscher Daniel J. Goldhagen das Forschungsinstitut scharf, weil es die iranischen Drohungen, Israel auszulöschen, ignoriere.

“Wütender Antisemitismus nimmt in der moslemischen Welt stark zu, genozidale Drohungen und Tagträume sind von ihren politischen Führern zu vernehmen, und nukleare Gefahren überschatten die jüdische Gemeinde Israels mit der Drohung eines weiteren Holocaust. Doch das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung weigert sich, eine Petition gegen die iranische Atombombe zu unterzeichnen, deren Einsatz [bereits] der ehemalige iranische Präsident Rafsanjani erwogen hat, wenn er sagte, dass sie Israel zerstören werde. Stattdessen stellt sich das Institut vor die Politischen Islamisten, wenn es die Wahrheit über diese Fakten, den Politischen Islam betreffend, mit dem halluzinatorischen Hass des Antisemitismus gleichsetzt.“

Die überparteiliche Gruppe Stop The Bomb startete im November eine Kampagne, um eine Beendigung der politischen und wirtschaftlichen Unterstützung des iranischen Regimes durch Deutschland zu erreichen. Die ausbleibende Unterstützung des Berliner Zentrums für die Petition können viele Kritiker bis heute nicht nachvollziehen.

Im Gegensatz zum Berliner Forschungszentrum befanden sich Charles Small, Leiter der Initiative for the Interdisciplinary Study of Anti-Semitism an der Yale University und Robert S. Wistrich, Direktor am Vidal Sassoon International Center for the Study of Anti-Semitism an der Hebräischen Universität in Jerusalem, unter den Ersten, die die Petition unterzeichneten.

Anm. der Redaktion: Übersetzung: Castollux. Der Originalartikel ist in der Jerusalem Post erschienen.

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Benjamin Weinthal

Benjamin Weinthal is a European correspondent at The Jerusalem Post and a fellow at the Foundation for Defense of Democracies.


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