Die UNO und Israel. Ein Trauerspiel.

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Die UNO und Israel. Ein Trauerspiel.
Vereinte Nationen gegen Israel: Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert. Alex Feuerherdt and Florian Markl. Published by Hentrich & Hentrich (June 1, 2018), 2018. 27.91

Dieses Buch, das einen fundierten Fundus an Informationen zum Gesamtkomplex „Nahostkoflikt“ von 1916 bis heute bietet, sollte eine Pflichtlektüre für jeden sein, der sich mit dem Nahen Osten und der Geschichte Israels befasst.

Das Zitat von Abba Eban, dem ersten israelischen Vertreter bei den UN und späteren Außenminister (1966-1974) aus dem Klappentext fasst lakonisch die absurd feindselige Haltung der UNO gegenüber Israel zusammen: „Wenn Algerien in einem Resolutionsentwurf erklären würde, dass die Erde eine Scheibe ist und Israel sie dazu gemacht hat, dann würde die Resolution mit 164 zu 13 Stimmen bei 26 Enthaltungen angenommen werden.“

In ihrem Vorwort und Einleitung stellen die Journalisten Esther Schapira und Georg M. Hafner, Autoren des 2015 erschienen Buches Israel ist an allem schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird, fest: „1947 hat die Mehrheit der Völkergemeinschaft das erste Mal für den jüdischen Staat Partei ergriffen. Es war zugleich das letzte Mal.“ Nun haben die beiden Autoren des vorliegenden Bandes, Alex Feuerherdt und Florian Markl, eine Art politischer „chronique scandaleuse“ der über siebzigjährigen Geschichte des praktizierten Antisemitismus in dieser Weltorganisation geschrieben.

Der freie Publizist Alex Feuerherdt aus Köln, Jahrgang 1969, in Deutschland als Israel- und Nahostkenner bekannt und präsent, ist ein gelernter Buchhändler, Verlagslektor, Blogger und nicht zuletzt Fußballfan. Das Letztere vermittelt ihm wohl das gute Gespür für Fouls, die im New Yorker Hauptquartier der UNO an der Tagesordnung sind und ungestraft bleiben. Der Politikwissenschaftler Florian Markl, 1975 geboren, wird derzeit als wissenschaftlicher Leiter des unabhängigen Wiener Nahost-Thinktanks Mena Watch international wahrgenommen. Zuvor wirkte er als Lehrbeauftragter an der Universität Wien sowie als Archivar und Historiker beim Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus. Es ist erfreulich, dass deren Buch mit harten Fakten gespickt, bei dem mutigen und rührigen Hentrich & Hentrich Verlag erscheinen konnte, der sich als Spezialist für die mit Israel und dem Judentum zusammenhängenden Themen etabliert hat.      

Beginnend mit der Vorgeschichte, gehen die Autoren in 12 Kapiteln ausführlich und systematisch den kritisch beleuchteten Entwicklungen und Skandalen nach, die in der UNO bezüglich Israels über die Jahre bis heute zu beobachten sind. Berichtet wird über den „arabischen Aufstand“ von 1916, die Eroberung Palästinas durch die Briten und das Ende der osmanischen Herrschaft, die Balfour-Erklärung und die judenfeindliche Politik der Briten in ihrem Mandatsgebiet und auch das Pogrom von Hebron im August 1929 mit landesweit 133 ermordeten Juden (wobei die Wikipedia nur 67 jüdische Opfer nennt). Ausführlich wird das für die restriktive britische Beschränkung der jüdischen Einwanderung bekannteste Drama um das Schiff „Exodus“ beschrieben, das mit 4500 Überlebenden aus Frankreich aus nach Palästina aufbrach aber von den Briten geentert wurde, wobei drei Juden starben und zahlreiche verwundet wurden.   

Um einen Eindruck von dem breiten Spektrum der hier behandelten Themen zu bekommen, werden im Folgenden nur einige wenige herausgegriffen, die als Meilensteine in der Geschichte der Neugründung des jüdischen Staates gelten aber nicht allen Lesern bekannt oder präsent sind. So die Rede des damals noch stellvertretenden und später sowjetischen Außenministers Andrej Gromyko am 14. Mai 1947 vor der UN-Generalversammlung in Flushing Meadows. Er verwies darin „auf das unermessliche Leid, das Juden während des vor Kurzem zu Ende gegangenen Krieges erlitten hatten (und) auf die fast vollständige Vernichtung aller Juden.“ Er argumentierte deshalb leidenschaftlich zugunsten eines jüdischen Staates in Palästina, wobei er ebenfalls die historischen Wurzeln des arabischen Volkes erwähnte. Diese Rede war sensationell, zumal Stalin zu diesem Zeitpunkt bereits seinem Antisemitismus frei Bahn ließ und den Zionismus verdammte. Der Kampf für Israel wurde, entgegen den diffamierenden Behauptungen seiner Feinde, die in dem jüdischen Staat den Vorposten des westlichen Imperialismus sehen, im Kern als antiimperialistischer Kampf wahrgenommen.      

Die Resolution 181 (II) zur Teilung des Landes in einen jüdischen und einen arabischen Staat wurde am 29. November 1947 nach zähem Ringen hinter den Kulissen mit 33 Ja-Stimmen, 13 Nein-Stimmen und 10 Enthaltungen angenommen. Zwar bedeutete der vorgeschlagene Teilungsplan, dass den rund 11,5 Millionen Quadratkilometern der arabischen Welt (geschätzte 50-60 Millionen Menschen), knapp 16.000 Quadratkilometer für einen jüdischen Staat abgerungen wurden – es waren 55% des Mandatsgebiets exklusive des bereits abgetrennten Transjordaniens. Die Stadt Jaffa sollte eine arabische Enklave im jüdischen Staat darstellen, Jerusalem und einige Ortschaften, wie Bethlehem, sollten unter die Verwaltung des UN-Treuhandrates gestellt werden. Von einem „palästinensischen“ Staat war damals natürlich nie die Rede, weil der Begriff ja erst Ende der 1960er Jahre von Yassir Arafat erfunden wurde. Das Britische Mandat sollte „so bald wie möglich“, spätestens jedoch am 1. August 1948 zu Ende gehen. Der Abstimmungstag war ein Samstag und die Juden feierten ihren neuen Staat ausgelassen mit Musik, Tanz und Champagner. David Ben Gurion, der Strippenzieher des Jischuw, hatte jedoch eine böse Vorahnung gehabt, nämlich, dass ein Krieg kurz bevorstand und er konnte nicht tanzen. Die Araber wollten den Teilungsplan nicht annehmen. Bereits am nächsten Morgen gab es Überfälle von Arabern auf jüdische Busse, mit Toten und Verletzten, am 2. Dezember überfiel ein arabischer Mob jüdische Geschäfte in Jerusalem – der „wilde Krieg“ begann. Und er wurde bekanntlich zu einem formalen Angriffskrieg von Syrien, Libanon, (Trans)Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und dem Irak gegen die damals c. 650.000 dort lebenden Juden, nachdem am 15. Mai 1948 das Britische Mandat beendet und Israel als jüdischer Staat gegründet wurde. Zu dem Zeitpunkt befanden sich bereits Hunderttausende Araber auf der Flucht und eine „ethnische Säuberung“, die in dem arabischen Narrativ zwar mantraartig wiederholt wird, fand in Wirklichkeit nicht statt. Der blutige Krieg endete am 20. Juli 1949 mit dem Sieg Israels und bis auf den Irak mit Waffenstillstandsverträgen. Bereits am 29. Januar 1949 erkannte die Britische Regierung Israel diplomatisch an. Nach dem Ende des Krieges verblieben rund 150.000 Araber in Israel und bildeten den Kern der arabischen Minderheit, die inzwischen über eineinhalb Millionen Menschen zählt und über 20% der israelischen Gesamtbevölkerung ausmacht.

Ebenfalls als Frucht der arabischen Propaganda ist das „Rückkehrrecht“ der palästinensischen Flüchtlinge von damals, deren Zahlen von 520.000 bis 810.000 variieren und heute 5 auf Millionen angewachsen sind, in einer Resolution der Generalversammlung von 1974 zu einem „unveräußerlichen Recht“ umgemünzt worden. Die israelische Position war und ist die folgende: Israel wurde 1948 angegriffen, die arabischen Bewohner wurden nicht aufgefordert, das Land zu verlassen, sie taten es trotzdem, Israel trägt dafür keine Verantwortung dafür. Diese liegt bei den arabischen Staaten und deren Führern.

Die Autoren gehen natürlich auch auf die Verfolgung der Juden in den arabischen Ländern und auf deren Vertreibung ein. Auch deren Zahlen variieren – zwischen 820.000 und 950.000, von denen aber in den Jahren 1948-1975 586.000 in Israel Zuflucht fanden, trotz der prekären wirtschaftlichen Lage des neugegründeten Staates. Diese Flüchtlinge waren allerdings lange von der Welt vergessen und erst werden sie in den letzten Jahren, nachdem seit 2014 am 30. November alljährlich in Israel offiziell der Gedenktag an diese Vertreibung begangen wird, in Erinnerung gebracht. Sie sind mehrheitlich gut integriert, viele gehören zur intellektuellen und künstlerischen Elite des Landes. 

Alle weiteren Kriege und Konflikte, die Israel führen musste, um seine Existenz zu sichern (der Suezkrieg 1956, der Sechstagekrieg 1967, der sog. Abnutzungskrieg von 1968-1970 zwischen Ägypten und Israel, bei dem es um den 1967 von Israel eroberten Sinai ging, der Yom Kippur-Krieg 1973, der Libanonkrieg 1982, die Erste Intifada 1993, die Zweite Intifada 2000-2005 und der Gazakrieg 2014) wurde vom Aufstieg der PLO bei den Vereinten Nationen begleitet, bis hin zum theatralischen Auftritt des bewaffneten Yassir Arafat am 13. November 1974 vor der UN-Vollversammlung. Seither versucht auch Mahmud Abbas, die UNO für sich zu instrumentalisieren, die Vollmitgliedschaft für „Palästina“ zu beantragen, die lange Reihe antiisraelischer Resolutionen einzubringen oder zu beeinflussen, wobei er und seine Verbündeten zahlreiche antiisraelische NGOs sehr einflussreich sind, sie zeigen wie stark die dortige judenfeindliche und antiisraelische Phalanx ist.

Die antiisraelische Politik wird auch in der UNESCO sichtbar, wo historische Tatsachen schamlos und ohne Konsequenzen durch Propaganda ersetzt werden, wie in einem der Buchkapitel beschrieben wird. Auch die WHO stellt Israel als Brunnenvergifter dar, Israel wird sogar als der größte Frauenrechtsverletzer der Welt dargestellt, usw. Das leider zutreffende Fazit dieses Bandes lautet: Die UN sind gegen Israel und sind deswegen als „die größte antizionistischen Organisation der Welt zu bezeichnen“.  

Leider fehlen eine Zeittafel und ein Register, die dem Leser eine große Hilfe bei dem Dickicht an Daten und Fakten wären. Dafür mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat und einer Bibliographie versehen, ist das Buch ein Nachschlagewerk, das jedem am Thema Interessierten zur Lektüre empfohlen wird. Der Preis ist in diesem Fall angemessen.

 

Die UNO und Israel. Ein Trauerspiel.

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Elvira Grözinger


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